Beratung bei Essstörungen: Magersucht, Bulimie und Fettsucht

Essstörungen sind eine ernstzunehmende Störung und können körperliche Erkrankung(en) nach sich ziehen. Ihre Behandlung bedarf qualifizierter therapeutischer Hilfe.

Eine Ernährungsberatung ersetzt nicht den Besuch beim Arzt, Heilpraktiker oder Therapeuten, sondern stellt eine sinnvolle Ergänzung zur Förderung der Gesundheit sowie zum „Wiedererlernen eines gesunden Essverhaltens dar.

Eine Ernährungsberatung nach den 5 Elementen und ein begleitendes Ernährungscoaching über einen längeren Zeitraum können den therapeutischen Prozess sehr unterstützen, da ein normales Essverhalten (Was, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt?) erst wieder erlernt und trainiert werden muss.

Essen ist eine biologische Notwendigkeit. Während der Alkohohl- oder Tablettenkranke lernen muß, sein Suchtmittel ganz zu vermeiden, hat ein essgestörter Mensch die Möglichkeit der Heilung durch Vermeidung nicht. Er muss sich jeden Tag aufs Neue mehrmals täglich mit dem Thema Essen konfrontieren und Entscheidungen fällen.


Was kennzeichnet eine Essstörung?


Das Thema Essen ist allgegenwärtig

Allen Formen von Essstörungen ist eine krankhafte Fixierung auf Essen gemein. Essen ist omnipresent und die ständigen Gedanken an und über das Essen durchziehen alle Lebensbereiche, auch wenn es wie im Falle von Magersüchtigen letztendlich gar nicht verzehrt wird.

Essen wird sowohl seinem eigentlichen Zweck, der Aufrechterhaltung der körperlichen Funktionen, als auch seiner Lustfunktionen beraubt. Essen wird zum Feind, denn Essen bedeutet Gewichtszunahme.

Es gibt grob betrachtet vier unterschiedliche Essstörungen, die sich in ihren jeweiligen individuellen Ausprägungen noch weiter differenzieren können: Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa), Binge Eating Disorder und Fettsucht (Adipositas).


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Wege aus der Essstörung

Waren es in der Vergangenheit fast ausschließlich Frauen, die von Essstörungen betroffen waren, so sind es zunehmend auch Männer, die darunter leiden.

Essstörungen sind eine Krankheit und müssen behandelt werden. Der erste und schwerste Schritt für viele Betroffene ist zu erkennen und sich selbst einzugestehen, dass eine Essstörung vorliegt.

Der nächste notwenige Schritt ist die Suche nach Hilfe, um aus dem Teufelskreis und der Isolation auszubrechen. In vielen Städten gibt es Hilfszentren, die sich auf das Thema spezialisiert haben und Auskunft über mit dem Thema vertraute Ärzte, Psychologen, Kliniken und Selbsthilfegruppen geben können. Auch im Internet finden sich viele gute Anlaufstellen.


Richtig Essen, Neu Erlernen

In der Ernährungsberatung erhalten Sie nach einer ausführlichen Befunderhebung auf der Basis der diagnostischen Mittel der chinesischen Medizin (Zungen- und Pulsbefund sowie eine ausführliche Befragung) einfache, praktikable und konkrete Empfehlungen angepasst an Ihre individuelle Situation.

Die Beratung umfasst eine speziell für Sie zusammengestellte Lebensmittelliste. Aus der Liste geht hervor, welche Lebensmittel, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt diese für Sie gut, empfehlenswert und welche zu vermeiden sind.

Sie erhalten eine Einkaufsliste und einfach zu zubereitende Rezeptvorschläge für ein wohlschmeckendes Frühstück, Mittag und Abendessen. Sie bekommen Rat zur sinnvollen und bekömmlichen Zusammensetzung von Zutaten, Alternativen genannt für Lebensmittel, die nicht empfohlen werden sowie Hinweise zur praktischen Umsetzung der Empfehlungen.

Langfristig muss das chaotische Essverhalten durch regelmäßige und angemessene Nahrungszufuhr ersetzt werden.

Normal essen (was, wie viel und wann?) muss neu erlernt und trainiert werden. Ein Coaching über einen längeren Zeitraum stellt eine sinnvolle Unterstützung bei der Einübung neuer Essensgewohnheiten dar. Rückfälle können aufgefangen werden, denn diese sind normal, wichtig ist, dass die neuen Essensgewohnheiten immer wieder praktiziert werden, so dass das Neue langsam aber sicher zur Gewohnheit wird und die Rückfälle weniger und die Abstände zwischen ihnen immer größer werden.


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Informationen und Hintergrundinfos zu Essstörungen


Magersucht (Anorexia nervosa)

Übersetzt bedeutet Anorexia nervosa Appetitlosigkeit, was aber nicht zutreffend ist, da Magersuchtpatientinnen häufig von Hungergefühlen geplagt sind, aber sich Essen bewusst vorenthalten.

Magersucht ist oft eine Krankheit von pubertierenden Mädchen, wobei die Patienten immer jünger werden, was fatale Auswirkungen auf den heranwachsenden Organismus hat, der gerade in dieser Zeit hochwertige Nährstoffe bedarf.

Diagnostische Richtlinien für Magersucht

Laut den diagnostische Richtlinien für Anorexia nervosa nach dem Klassifizierungsschemata DSM-IV der American Psychiatric Association (APA) ist die Magersucht folgendermaßen definiert:

A) Weigerung, das für Alter und Körpergröße normale Körpergewicht zu halten (z.B. der Gewichtsverlust führt dauerhaft zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts; oder das Ausbleiben einer während der Wachstumsperiode zu erwartenden Gewichtszunahme führt zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts)

B) Ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz bestehenden Untergewichts.

C) Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts, übertriebener Einfluß des Körpergewichts oder der Figur auf die Selbst-
bewertung, oder Leugnen des Schweregrades des gegenwärtigen geringen Körpergewichts.

D) Bei postmenarchalen Frauen das Vorliegen einer Amenorrhoe, d.h. das Ausbleiben von mindestens drei aufeinanderfolgenden Zyklen. (Amenorrhoe wird auch dann angenommen, wenn bei einer Frau die Periode nur nach Verabreichung von Hormonen, z.B. Östrogen, eintritt).


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Bulimie (Bulimia nervosa)

Der Begriff Bulimie stammt aus dem griechischen Wort boulimos bzw. boulimia und ist zusammengesetzt aus den Wörtern limos (Hunger) und bous (Stier, Ochse oder Rind). Die wörtliche Übersetzung bedeutet also soviel wie "Ochsenhunger".

Diagnostische Richtlinien für Bulimie

Die Aufnahme und Definition als eigenständige Krankheit im Katalog psychiatrischer Störungen durch die American Psychiatric Association erfolgte 1980. Die Bulimie wird laut den DMS Kriterien folgendermaßen definiert:

Wiederholte Episoden von "Freßattacken". Eine "Freßattacken"-Episode ist gekennzeichnet durch beide der folgenden Merkmale:

(1) Verzehr einer Nahrungsmenge in einem bestimmten Zeitraum (z.B. innerhalb eines Zeitraums von 2 Stunden), wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum und unter vergleichbaren Bedingungen essen würden.

(2) Das Gefühl, während der Episode die Kontrolle über das Essen zu verlieren (z.B. das Gefühl weder mit dem Essen aufhören zu können, noch Kontrolle über Art und Menge der Nahrung zu haben).

(3). Wiederholte Anwendung von unangemessenen, einer Gewichtszunahme gegensteuernden Maßnahmen, wie z.B. selbstinduziertes Erbrechen, Mißbrauch von Laxantien, Diuretika, Klistieren oder anderen Arzneimitteln, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung.

(4). Die "Freßattacken" und das unangemessene Kompensationsverhalten kommen drei Monate lang im Durchschnitt mindestens zweimal pro Woche vor.

(5). Figur und Körpergewicht haben einen übermäßigen Einfluß auf die Selbstbewertung.

(6). Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf von Episoden einer Anorexia nervosa auf.

Bestimmung des Bulimie-Typus

"Purging"-Typus: Die Person induziert während der aktuellen Episode der Bulimia nervosa regelmäßig Erbrechen oder missbraucht Laxantien, Diuretika oder Klistiere.

"Nicht-Purging"-Typus: Die Person hat während der aktuellen Episode der Bulimia nervosa andere unangemessene, einer Gewichtszunahme gegensteuernde Maßnahmen gezeigt, wie beispielsweise Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung, hat aber nicht regelmäßig Erbrechen induziert oder Laxantien, Diuretika oder Klistiere missbraucht.
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Binge Eating Disorder

Ein relativ neu definiertes Phänomen. Zu deutsch bedeutet es salopp übersetzt eine Störung, die sich dadurch zeigt, dass es zu regelmäßigen Essattacken kommt.

Diagnostische Richtlinien für Binge Eating Disorder

Laut den diagnostische Richtlinien für Anorexia nervosa nach dem Klassifizierungsschemata DSM-IV der American Psychiatric Association (APA) ist das Binge Eating Disorder folgendermaßen definiert.


Regelmäßige Essanfälle mit folgenden Merkmalen:

1. in einem abgrenzbaren Zeitraum wird eine Nahrungsmenge gegessen, die deutlich größer ist als die Menge, die andere Menschen im selben Umfang unter den gleichen Umständen essen würden.

2. während des Essanfalls wird der Verlust der Kontrolle über das Essen empfunden.


Die Essanfälle sind mit mind. 3 der folgenden Merkmale verbunden:

1. Es wird wesentlich schneller gegessen als normal.

2. Es wird gegessen, bis man sich unangenehm voll fühlt.

3. Es werden große Mengen gegessen, obwohl man sich nicht körperlich hungrig fühlt.

4. Es wird allein gegessen, weil es einem peinlich ist, wie viel man isst.

5. Man fühlt sich von sich selbst angeekelt, depressiv oder sehr schuldig nach dem Überessen.

Seelisches Befinden und Häufigkeit der Essanfälle

Es besteht hinsichtlich der Essanfälle merkliche Verzweiflung. Die Essanfälle treten im Durchschnitt an mindestens 2 Tagen pro Woche über 6 Monate auf.

Abgrenzung zur Bulimie

Die wichtigste Abgrenzung zur Bulimie ist, dass kein Kompensationsverhalten auftritt. Die Essanfälle sind nicht mit der regelmäßigen Anwendung von unangemessenen Kompensationsverhalten (z.B. abführende Maßnahmen, Fasten oder exzessiver Sport) verbunden.

Eine Bulimie oder ein Eating Binge Disorder wird oft jahrelang nicht erkannt, da die Betroffenen sich für Außenstehende völlig normal verhalten und auch ihr Gewicht ist oft relativ normal .Es gibt viele Fälle, wo noch nicht einmal der Lebenspartner von dem Problem weiß. Prominenteste Bekennerin war Prinzessin Diana.

Fettsucht (Adipositas)

Die Grundlage für Adipositas wird oftmals in der Kindheit gelegt, denn dicke Kinder werden oft zu dicken Erwachsenen. Laut Klinger sind es die fatalen Gewohnheiten: zu viel, von zu schlechter Qualität und dauernd zu essen. (Klinger 2004)


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Zahlen zu Essstörungen

Häufigkeit und Verbreitung

Knapp zwei Drittel aller weiblichen Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr haben nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen mindestens einmal eine Diät zur Gewichtsreduzierung gemacht. Nach diesen Angaben leiden allein in Deutschland mindestens 220.000 Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren an Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brechsucht (Bulimie).

Magersucht

In Deutschland leiden nach Angaben des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen über 100.000 Menschen, insbesondere Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Magersucht. Die Zahl der magersüchtigen Männer liege bei fünf bis zehn Prozent - mit steigender Tendenz.

Bulimie

In Deutschland leiden nach Angaben des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen 600.000 Frauen und Männer an der Fress-Brech-Sucht (Bulimia nervosa). Die Universität Ulm beziffert die Häufigkeit in der weiblichen Bevölkerung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr für Anorexie mit 0,5-1%, für Bulimie mit 3-4% und für Esssucht mit 6 % und verzeichnet einen zunehmenden Anteil männlicher Betroffener.

Nach der Ärztekammer Niedersachsen verläuft eine Essstörung bei rund 16,8 Prozent der Betroffenen tödlich. Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) gibt an, dass bis zu 15 Prozent der Magersüchtigen an den Folgen der Erkrankung sterben. Laut Studien der Universität Heidelberg stirbt jede sechste schwer erkrankte Magersüchtige an den Folgen der Krankheit. Als häufigste Todesursachen erwiesen sich Infektionen, Unterernährung, Wasser- und Elektrolytverlust sowie Selbstmord. Die Universität Ulm berichtet, dass mit einer Sterblichkeitsrate von 15 bis 20 Prozent die Anorexie mehr Opfer als jede andere psychiatrische oder psychosomatische Störung fordert. Die jährlichen Gesamtkosten für Anorexie und Bulimie in Deutschland werden auf bis zu 280 Millionen Euro beziffert. (Quelle: http://www.hungrig-online.de)